Dokumentation Camp Gutleutmatten 2013

Zum Herunterladen der ausführlichen Projektdokumentation mit Texten und Bildern des Campalltags, der Performances, der Diskursrunden und des Protestspaziergangs bitte diesem Link folgen:

Projektdokumentation Camp Gutleutmatten

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Protestspaziergang

Zum Abschluss des Camps Gutleutmatten machen die Guten Leute am 15. Juni 2013 einen Protestspaziergang mit Wägen, 6 Krankheits-Schreinen und Fahnen durch die Freiburger Innenstadt.
Am Rathausplatz, wo zufälligerweise gerade ein „Markt der Nachhaltigkeit“ stattfindet, verlesen wir, gegen den Willen der von drei Polizisten unterstützten Veranstalter, die Forderungen die sich aus den Gesprächen in den Arbeitsrunden „Von der Krankheit zur Politik“ ergeben haben:

+ Das Bedingungslose Grundeinkommen weil:
*Krebskranke dann auch von Angehörigen/Freunden gepflegt werden können
*HIV Positive sich outen können ohne Angst vor Verarmung durch Jobverlust haben zu müssen
*Depressive und ME/CFS Kranke ihre andere Form von Leistungsfähigkeit nicht mehr als defizitär wahrnehmen müssen
*niemand mehr sein Geld mit den Süchten anderer Menschen verdienen muss

+ Pacing (nachhaltige Wahl der Lebensgeschwindigkeit) als Therapie auf die gesamte Gesellschaft anzuwenden weil
• der Rechtfertigungsdruck auf diejenigen, die nicht mehr mithalten können wegfallen muss
• große Probleme nur langsam gelöst werden können
• Ruhezonen und Räume in der Öffentlichkeit nicht nur Depressiven, Ausgebrannten und ME/CFS Erkrankten zu Gute kommen sondern allen

+ Die finanzielle und ethische Anerkennung ALLER Arten von „Sich Kümmern“ um Kranke und Sterbende weil
• Kranke und Sterbende in erster Linie den lebendigen sozialen Kontext brauchen, egal, ob es sich um medizinische, künstlerische, religiöse oder andere Formen des „Sich Kümmerns“ handelt

+ Anerkennung und finanzielle Abgeltung der „Arbeit“ der Kranken weil
• Krankheit ein Lebenszustand ist, der uns alle trifft und nicht als defizitär von Gesundheit abgegrenzt werden kann
• Der/die Kranke durch gesellschaftliche Wertschätzung und Ermächtigung eine aktive Rolle zurückgewinnt und in dieser Rolle der Gemeinschaft etwas zurückgeben kann, er/sie wird vom Patienten/Opfer zum „kranken“ Mitbürger/Mitgestalter

+ Ein Denkmal und Museum zur Internierung und Kulturgeschichte der Leprakranken in Freiburg weil wir die schmerzhaften Lernprozesse in der Geschichte wertschätzen müssen

Dazu ein Video des Protestspaziergängers Armin:

Eröffnung Camp Gutleutmatten

Seit Sonntag dem 8. Juni läuft das Programm des Camps Gutleutmatten. In 7 Performance Installationen, einer partizipativen Praxis zur Abschiebung von Kranken aus der Gesellschaft und einem experimentellen Spiel setzen wir uns mit dem Thema „Von der Krankheit zur Politik auseinander“. Zu den Diskursrunden mit einer Selbsthilfegruppe zu ME/CFS unter der Leitung von Kirsten IHl, drei Krebs- Beraterinnen und Sterbehelferinnen und vielen Gästen mit persönlichen Erfahrungen zu Krankheit und Gesellschaft besuchten uns zahlreiche Anwohner_innen. Weitere Fotos und Infos siehe oben unter CAMP und Elenas Marx.

CampGutleutmatten1

CampGUtleutmatten2

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CAMP GUTLEUTMATTEN

Seit 1. Juni läuft der Aufbau des Camp Gutleutmatten in Freiburg-Haslach. Unter dem Titel „Von der Krankheit zur Politik“ arbeiten Die Guten Leute an der Politisierung von 7 exemplarischen Krankheiten. Programm und weitere Fotos dazu unter CAMP in der Leiste oben!

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Schreinfärnben1

Die Guten Leute – Von der Krankheit zur Politik

„Keine Feindin hat weniger Ehre als die Krankheit. Wenn aber die Krankheit keine Feindin mehr wäre, sondern der Grund, von dem aus wir lernen NEIN zu sagen zum falschen Versprechen eines geheilten Lebens und NEIN zum Siegertum als Ideal unserer Gesellschaft? Am Ende brächte uns die Krankheit noch dazu würdevoller, gemein-schaftlicher und vergnügter zu leben.“ Elena Marx (1976-2013) Gründungsmitglied der „Guten Leute“

Vom 1. bis 16. Juni präsentiert die Künstlergruppe Club Real mit einem Camp auf Gutleutmatten in Freiburg die Echtzeit – Fiktion „Die Guten Leute“. Sieben Performance Künstler_innen aus Wien, Berlin, Helsinki, Seattle und Freiburg arbeiten an der Politisierung und Kulturentwicklung durch Krankheiten. In die Echtzeit-Fiktion können sich Gäste und AnwohnerInnen durch Teilnahme am Alltag des Camps und im Rahmen der Veranstaltungen einschreiben. „Die Guten Leute“ knüpft an die Vergangenheit der Gutleutmatten als Wirtschaftsfläche des Gutleuthauses Freiburg an. Dort wohnten und arbeiteten vom 13. bis ins 18. Jahrhunderte die Leprakranken der Stadt. „Die Guten Leute“ untersuchen die kulturelle Auseinandersetzung mit der Lepra im Mittelalter vergleichend mit dem heutigen Umgang mit bedrohlichen Krankheiten. Die Praktiken der „Guten Leute“ knüpfen beim verschütteten historischen Erbe an und entwickeln aus den gegenwärtigen Formen der Vereinzelung durch Krankheit visionäre Konzepte kultureller Vergemeinschaftung.

Veranstaltungen und Tagesablauf im offenen Camp siehe unter CAMP und TERMINE in der Leiste oben.

Besucher_innen die den Alltag der Guten Leute kennenlernen möchten und sich in die Echtzeit-Fiktion einschreiben möchten können das Camp vom 1. bis 16. Juni auch außerhalb der genannten Zeiträume besuchen.

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FILMBEITRAG: http://www.youtube.com/watch?v=733lt-SJFUU
Dr. Hannes Anbelang auf Gutleutmatten 2013 copyright: Club Real

Veranstalter: Club Real in Kooperation mit Finkenschlag und Theater Freiburg

Das Symbol der GUTEN LEUTE ist die Lepraklapper auf Mintgrün:

Rasselfahne